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Ich sorge jetzt gut für mich! – Zeitmanagement

Zeitmanagement ist keine Technik,

sondern eine Lebensphilosophie!

 

Erzieherinnen haben den Wunsch, für alle jederzeit da sein, allen alles recht machen und jedem immer gerecht werden. Und zwar sofort und perfekt!“

Bestimmt tritt beim Lesen dieser Behauptung Empörung bei einigen Kolleginnen auf. Sehen Sie sich bitte einmal ihr Verhalten im Arbeitsalltag an: Stehen sie vom Spiel mit den Kindern auf, wenn eine Mutter ihnen etwas –vermeintlich – Wichtiges mitteilen will? Wenden sie sich Eltern zu wenn wieder einmal die Hausschuhe nicht an Ort und Stelle sind? Unterbrechen sie ihre Tätigkeit, wenn eine Kollegin unbedingt noch Material für ihre Beschäftigung braucht oder eine Information weitergeben möchte?

Ihnen liegt das Wohl aller Beteiligten in der Kindertagesstätte am Herzen! Sie geben den ganzen Tag viel von sich an andere Menschen weiter: Anerkennung, Gespräche, Gedanken, Lachen, Beziehung…… Leider vergessen viele Erzieherinnen oftmals sich selbst dabei.

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ 1 stellte Jesus dem höchsten und größten Gebot, der Liebe zu Gott, gleich. Das hat den Umkehrschluss, dass ich erst mich selbst lieben und achten muss, bevor ich andere, meinen Nächsten, lieben und achten kann – wie mich selbst.

Entscheiden sie sich, ob sie sich als Opfer der Situation fühlen möchten oder ihr Leben in die Hand und die Regie dafür über nehmen? Manchmal hilft es, Dinge auf sich beruhen zu lassen und anerkennen was ist. Dann ist es gut, mit Gegebenheiten nicht mehr zu hadern, sich nicht mehr zu ärgern und gelassen zu sein. Doch wenn mich der Stress krank zu machen droht, kann ich meine Einstellung ändern und Zeitmanagement zu meiner Lebensphilosophie machen.

 

 

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit,
das eine vom anderen zu unterscheiden. 2

 

 

 

Eine von der GEW Baden Württemberg bereits vor einigen Jahren in Auftrag gegebene Studie zur Arbeitsbelastung der Erzieherinnen bestätigt die bisherige subjektive Wahrnehmung von hoher Belastung am Arbeitsplatz Kindertagesstätte. Die Ergebnisse werden durch weitere Studien aus anderen Bundesländern unterstrichen3

 

Belastungsfaktor Nr. 1 ist die

Vielzahl von Arbeitsaufgaben in Verbindung mit Zeitdruck und überschneidenden Personenkontakten (vor allem in der Bring- und Abholsituation)!

Genau! Das ist Stress hoch 10! Kinder werden gebracht (oder abgeholt), teilweise mehrere Kinder zur gleichen Zeit. Jede Mutter/ oder Vater möchte "noch schnell was Wichtiges loswerden" und die Kinder haben das Recht ganz individuell begrüßt zu werden.

 

Dumm gelaufen – bloß, dass die Erzieherin gerade mal begonnen hat ein Bilderbuch vorzulesen und die Kollegin damit beschäftigt ist einem anderen Kind den Po zu putzen (oder die Schuhe auszuziehen oder Streit zu schlichten oder das Malpapier zu holen oder den Frühstückstisch zu decken, reinigen oder….). Womöglich möchte die Leiterin auch noch so ganz nebenbei ein Kind krank melden (noch schlimmer wenn eine Kollegin krank gemeldet wird) oder den Dienstplan kurzfristig verändern. Ach ja, da ist auch noch der Kollege aus der anderen Gruppe das Mikroskop oder die Lupe oder schwarze Tonpapier oder…. sucht!

 

Auch wenn der Morgen ohne Verkehrsstau oder Bahnverspätung begann und die Kollegin frohen Mutes die Einrichtung betrat: Spätestens jetzt bricht ihr kurz der Schweiß aus und sie muss in den Spiegel sehen um zu erkennen wo ihr der Kopf steht.

 

Single – Tasking

Wir sind es gewohnt, mehrere Dinge gleichzeitig zu machen; Multi – tasking wird dies nun genannt – und das Schlimmste: Wir sind auch noch stolz darauf!

Achtsamkeit ist das Gegenteil von Multi-tasking.“ schreibt Felicita Weiß4 „Single – tasking ist das Zauberwort!“ Wir haben immer viel zu tun, viele Aufgaben und viel Verantwortung. Doch was nützt es uns Dinge gleichzeitig zu erledigen, dabei jedoch in Gedanken gar nicht bei diesem Tun zu sein sondern bereits beim nächsten Schritt? Das schafft Unruhe und Stress. Oftmals weiß ich dann nicht, ob und wie ich diese Tätigkeit überhaupt durchgeführt habe.

Folgende Weisheit versuche ich deshalb zu verinnerlichen:

Ein in Meditation erfahrener Mann wurde

einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen

Beschäftigungen immer so gesammelt sein

könne.

 

Er sagte:

Wenn ich stehe, dann stehe ich

wenn ich gehe, dann gehe ich

wenn ich sitze, dann sitze ich

wenn ich esse, dann esse ich

wenn ich spreche, dann spreche ich…..

 

Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort und

sagten: das tun wir doch auch, aber was machst du

darüber hinaus?

Er sagte wiederum:

Wenn ich stehe, dann stehe ich

wenn ich gehe, dann gehe ich

wenn ich sitze, dann sitze ich

wenn ich esse, dann esse ich

wenn ich spreche, dann spreche ich…..

 

Wieder sagten die Leute:

Das tun wir doch auch.

 

Er aber sagte zu ihnen:

Nein,

wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon

wenn ihr steht, dann lauf ihr schon

wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel….5

 

 

"Ich sorge jetzt gut für mich!"

Ich muss in der Bring- und Abholsituation einfach überall meinen Kopf haben und für alle da sein! Das ist einfach so, und auch sonst im Arbeitsalltag!", höre ich immer wieder. Meine Antwort darauf lautet: "NEIN!"

Entschuldigung! Ein Wort, das viele Erzieherinnen leider in Bezug auf Erwachsene verlernt (oder nie gelernt) zu haben scheinen. Liebe KollegInnen, das können sie sich (wieder) aneignen! Als ersten Satz, den ich vorschlage zu verinnerlichen, der beim Aufstehen, in der Bahn, im Auto, an der Eingangstüre der KiTa und direkt nach dem "Guten Morgen!" gesagt wird, lautet: "Ich sorge jetzt für mich!"

Ja ich weiß, er geht schwer über die Lippen, doch Übung macht die Meisterin! Probieren Sie es doch einfach noch mal und zwar etwas lauter! Auch die erweiterte Form hört sich ganz gut an: "Ich sorge jetzt gut für mich!" Wobei die Betonung auf "ICH", auf "SORGE", auf "JETZT", auf "GUT" und auf "MICH", liegen muss! Es kann auch eine stimmliche Steigerung erfolgen.

 

Weitere nützliche Redewendungen und Gesten können folgende sein:

"MOMENT!" (An dieser Stelle wird der Mutter/ dem Vater fixierend in die Augen geschaut, und die Hand zum "Stoppzeichen" erhoben).

Einen Augenblick bitte!" "Ich habe in 15 Minuten Zeit für sie!" (Die eigene Konzentration wird weiterhin ausschließlich auf die derzeitige Tätigkeit gelenkt.) "Lassen sie uns bitte heute Nachmittag/ morgen Vormittag einen Termin vereinbaren!" "Ich möchte die Gruppentüre jetzt schließen!" (Die Tätigkeit wird kurz unterbrochen und die Eltern freundlich zur Türe geleitet.)

 

 

Wertschätzung für mich und meine Arbeit

Achtung für die Wichtigkeit der Elternbedürfnisse

Ich überlege mir in diesen Situationen immer wieder, welches Bild eine Erzieherin von sich an außen Stehende abgibt, wenn sie jederzeit für alle da ist und ein "Schwätzchen" hält? Meine Aufgaben sind in erster Linie die Kinder und das nicht nur nach oder vor der Bring- und Abholzeit, die sich ja sowieso meist viel zu lange hinzieht. Wenn Eltern wichtige Kurzinfos weitergeben müssen, was nicht zu vermeiden ist, dann muss das kurz und knapp in zwei Sätzen erfolgen. Alle anderen wichtigen Themen gehören in ein gesondertes Gespräch außerhalb der Gruppe, mit (kurzfristig oder langfristigem) Termin, in Ruhe für alle Beteiligten. Wenn die KiTa mit den Eltern etwas zu besprechen hat ist es genauso ungünstig, sie unverhofft mit etwas, womöglich Unerfreulichem – zu überfallen. Genauso wenig wie ich selbst auf dem so genannten "linken Fuß" erwischt werden möchte möchten es Eltern.

Kränkungen und Missverständnisse sind häufig die Folge davon, dass wichtigen Themen, mal so ganz nebenbei in Tür- und Angelgesprächen erwähnt oder angeschnitten werden. Ich kann nicht nachfragen, klären oder darstellen. Das Gesagte steht im Raum. Kinder sind zu wichtig, als dass wir sie zwischen Tür- und Angel "besprechen" können! Unsere Arbeit in Kindertagesstätten ist zu wichtig, zu gut durchdacht und zu fundiert, als dass wir sie zwischen Tür- und Angel transparent machen können!

 

Wir können nur die nötige Wertschätzung erhalten, indem wir sie uns selber und unsere Arbeit geben. Das heißt, dass ich die Aufgabe die ich jetzt gerade erledige mit meiner ganzen Aufmerksamkeit erledige. Es bedeutet nicht, alles andere um mich herum aus den Augen zu verlieren, doch ich bin nicht immer für alles und vor allen Dingen nicht gleichzeitig zuständig. Erwachsene können auch mal warten, alles hat seine Zeit. Dies setzt natürlich eine vorherige gute Struktur und Absprache voraus …. Na ja, dies zu einem späteren Zeitpunkt auf einem anderen Papier.

Liebe Kolleginnen, ich möchte ihnen Mut machen sich selbst, ihre eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und öfter in den Mittelpunkt zu rücken und sie gegenüber andern durchsetzen.

 

Der erste Schritt

Damit ich an meiner Situation etwas ändern kann, mache ich mir erst mal einen Überblick von meiner Situation also eine Bestandsaufnahme. Das kann gedanklich oder meditativ erfolgen indem ich mir selbst folgende Fragen überlege und ggf. auch aufschreibe:

  • Wie sieht mein Tagesablauf aus?

  • Welche Anlässe, Rahmenbedingungen, Aufgaben etc. rauben mir Energie, fallen mir schwer?

  • Wann fühle ich mich gestresst?

  • Was gibt mir Energie?

     

Das kann auch ganz beruhigend und meditativ durch das bildnerische Darstellen sein. Ich komme zur Ruhe und gestalte:

Mein realer Tagesablauf 24 Std.!

Mein gewünschter Tagesablauf:

 

 

 

                                                                                                           

 

 

 

 

 

 

 

Dabei in unterschiedlichen Farben Kennzeichnen: Was gibt mir Energie? Was raubt mir Energie?

 

Was fällt ihnen direkt auf wenn sie ihren Tagesablauf genauer betrachten? Gibt es etwas das sie sofort ändern möchten?

Formulieren sie das in einem Satz: ICH WERDE AB SOFORT……………!

 

Der erste Schritt ist getan. Sie haben erkannt was ihnen zusetzt und werden mindestens eine Sache ändern. Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit, auch wenn der Beruf der Erzieherin sehr viel geben kann. Gestresst fühle ich mich dann, wenn ich keine Ruhe bei der Tätigkeit habe, mich nicht wirklich einlassen kann und wenig Befriedigung spüre. Meist kommt es eher auf mein gutes Gefühl an als auf Zeitdruck. Wenn die Arbeit nur noch Energie zieht und keine mehr gibt ,ist es an der Zeit etwas zu ändern. Wenn der private Bereich, der mir ja meist Energie und Zufriedenheit gibt zu kurz kommt, fehlt mir die Balance und ich fühle mich ausgelaugt.

 

Was macht ihnen besonders viel Spaß und gibt ihnen Energie und Befriedigung? Sport, Natur, Partnerschaft, Freunde, Lesen, Musik hören oder machen, Kino………. oder auch einfach mal die Seele baumeln lassen und „Löcher und die Luft gucken“?

Wenden sie ihren Blick auf die Dinge die ihnen gut tun. Raffen sie sich auf – ich weiß, der inneren Schweinehund lässt sich oft nicht leicht überwinden – doch wenn sie Spaß haben wiegt der Arbeitsstress nicht mehr zu schwer. 6

 

 

Ich setze Prioritäten

Leider kann in den Kindertagesstätten nicht mehr alles gemacht werden was nötig und schön ist. Die Rahmenbedingungen zwingen uns, auf Zeit- und Energie intensive und auch und ineffiziente Angebote, vor allem in der Elternarbeit, Feste- und Feiergestaltung zu verzichten. Stellen sie sich die Frage, worauf sie verzichten wollen und können.

 

"Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!"

 

Verplanen Sie nur einen bestimmten Teil Ihrer Arbeitszeit, erfahrungsgemäß ca. 60 %. Unvorhergesehene Ereignisse, Störgrößen, Zeitdiebe und persönliche Bedürfnisse erfordern es sich nicht restlos zu verplanen.

 

60 % für geplante Aktivitäten (Tagesplan)

20 % für unerwartete Aktivitäten (Störungen, Zeitdiebe)

20 % für spontane und soziale Aktivitäten (kreative Zeiten)

 

Überprüfen sie nochmal ihren Wochen- Monats oder Jahresplan! Machen sie eine „Kosten – Nutzen – Kalkulation“!

  • Welche Aktionen kosten viel Zeit und Energie und bringen unterm Strich nicht den Erfolg den ich mir wünsche? Können sie verändert oder ganz abgeschafft werden?

  • Welche Ziele möchte ich mit der Aktion erreichen?

  • Gibt es ein Angebot mit der ich dieses Ziel auch ohne den Aufwand erreichen kann?

 

Machen sie ihre Rechnung auf: Was kam in der KiTa an Arbeitsaufträgen in den letzten Jahren hinzu? Wie viele Stunden nimmt das in Anspruch?

Beispiel:

  • Sprachstandserhebungen und diesbezügliche Berichte                           20 Std./ Jahr

  • ausführliche, Entwicklungsgespräche mit

    Vor- und Nachbereitung bei 25 Kinder in der Gruppe                             50 Std./ Jahr

  • Beobachtungen, Auswertungen bei 25 Kindern                                     70 – 100 Std./Jahr

  • Dokumentationen                                                                                   50 Std./ Jahr

  • Kontakte mit anderen Institutionen/ Familienzentren                            20 Std./ Jahr

  • Umstrukturierung zur Aufnahme von Unter Dreijährigen,                    20 Std./ Jahr

     

Zusätzliche Gesamtstundenzahl                                                                        ca.230 – 260 Std./Jahr

 

Die Liste könnte sich bestimmt fortführen lassen. Es handelt sich um eine zusätzliche Arbeitsbelastung, (die hier nur zeitlich bemessen ist, nicht emotional) von ca. 5 Arbeitsstunden in der Woche. Gleichzeitig wurden die Öffnungszeiten verlängert, der Personalschlüssel verringert und die Gruppengröße erhöht.

 

Ein Arbeitsprotokoll macht transparent wo Ihre Zeit bleibt. Bitte lassen sie sich nicht zur Sklavin eines Formulars machen. Wenn es passt, dann protokollieren sie. Sie können sich am Ende eines Arbeitstages hinsetzen und den Tag passieren lassen. Was habe ich geschafft? Leider sind keine Ergebnisse oder ein Produkt von „Beziehungspflege, Kindergruppenarbeit oder Störungen/ Unterbrechungen“ ersichtlich. Mit dem Arbeitsprotokoll können sie sich Bestätigung holen. Dann schauen sie am Ende des Arbeitstages nicht mit der Frage zurück: „Was habe ich heute eigentlich geschafft?“sondern mit Stolz: „So viel habe ich heute geschafft“.

Schreiben sie gleichzeitig Reste, Kurzbeobachtungen oder wichtige Infos für sich und ihre Kolleginnen in ein Arbeitstagebuch. Einen Arbeitstag zum Abschluss zu bringen bedeutet, frei für den Privatbereich zu sein ohne Arbeitsaltlasten nach Hause zu schleppen.

SIE HABEN FREI!

 

 

 

Arbeitsprotokollbogen

Datum:                                                          Besonderheiten___________________________ Arbeitsziele:                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      _____                                  __

07.00

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19.00

       5

       10

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       20

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       45

       50

       55

 

Notieren Sie:

A bschalten P ersonalgespräche

B eziehungspflege S törungen/ Unterbrechungen

E lternarbeit/ Kontakte/Vorbereitung T eamarbeit

F erngespräche V erwaltung/ Arbeitsorganisation

K indergruppenarbeit PD pädagogische Aktivitäten/ Vorbereitung/ Planung

 

Und die Eltern?

Sie können nicht so weitermachen wie bisher! Aktivitäten von mindestens 5 Wochenstunden fallen den veränderten Anforderungen zum Opfer. Manchmal müssen auch so genannte „Heilige Kühe“ geschlachtet werden, damit die Arbeitsabläufe effektiver sind.

An dieser Stelle höre ich immer wieder den Einwand, dass die Eltern ja besondere Ansprüche haben und jede KiTa aufpassen muss, dass ihnen die Kinder nicht weglaufen. Stellen sie sich und den Eltern folgende Fragen:

  • Was brauchen die Kinder wirklich?

  • Was wollen die Eltern wirklich?

Besprechen sie das gemeinsam an einem Elternabend oder hängen ein Plakat in den Flur, auf in das die Eltern ihre Wünsche eintragen können. Machen sie ihre Situation transparent und zeigen sie den Eltern obige „Rechnung“. Lassen sie die Eltern und Kinder mit entscheiden, was wichtig ist und welche Prioritäten gesetzt werden. Dann fühlen diese sich nicht so übergangen und entmündigt.

 

Meine Erfahrung – auch als Mutter im Gespräch mit anderen Eltern – ist es, dass Eltern vor Allem glückliche und gesunde Kinder wollen. Dann erst kommt das Lernen. Die Kinder lernen immer – das wissen wir! Jedes Handeln von Kindern ist Lernen, Erfahren und Üben.

Lassen sie die Eltern bei einem Elternabend diese Erfahrungen selbst machen. Sie können Kleingruppen bilden, jede Kleingruppe begibt sich in einen anderen Spielbereich und beschäftigt sich dort. Danach schreiben die Eltern auf, was sie selbst „gelernt“ haben.

 

Klug ist es zudem, den Blick nicht auf das zu legen was vermeintlich weg fällt, sondern sie darauf hinweisen, wo sie ihre Schwerpunkte und ihre Prioritäten setzen! „Weil wir unseren Schwerpunkt jetzt mehr auf die Projektarbeit und intensive Kleingruppenarbeit setzen werden, können wir leider die große Bastelaktion zu Weihnachten so nicht mehr durchführen.“

 

 

Verändern sie den Jahreslauf in der Kindertagesstätte. Bieten sie den Kinder/ Eltern und Trägern Neues, Anderes! Das heißt NICHT MEHR sondern ANDERS!

Folgende Leitsätze können ihnen dabei helfen:

 

5 Leitsätze zum Umgang mit meiner Arbeitszeit

  1. Ich gestalte meine Zeit sorgfältig!

  2. Ich entscheide mich bewusst für Weniges!

  3. Ich lerne Vertrauen zu haben!

  4. Ich lasse mir Zeit, für Überraschungen und plötzliche Verwirrungen!

  5. Ich lerne und übe Langsamkeit!

 

Aufgabe: Konkretisieren Sie einen oder mehreren Leitsätze (nacheinander) nach dem Motto: „Das heißt für mich/ für uns….“

Schreiben Sie Ihre Konkretisierung jeweils auf ein Plakat!

 

Planung und Struktur

Ohne klare Strukturen, Planungen, konkrete Absprachen und Protokolle geht es nicht. In einem Team ist eine zielbringende, konstruktive Kommunikation ganz nebenbei, unmöglich. Absprachen die zwischen Tür und Angel getroffen werden können in Vergessenheit geraten. Sie sind nicht bindend.

Wen sie sich bewusst für Aktionen, Angebote, Feste, Feiern etc. entschieden haben, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der Strukturierung.

 

Drei davon möchte ich ihnen vorstellen:

Das Wichtigste zuerst

Wichtigkeit hat etwas mit Ergebnissen zu tun, mit Werten und Zielen

Dringendes bezieht sich auf den Zeitfaktor.

Wenn wir keine klaren Vorstellungen davon haben, was wichtig ist, was uns unserem gewünschten Ziel näher bringt, lassen wir uns leicht ablenken und reagieren vorrangig auf das Dringende.

Eine Wertanalyse zeigt die Wichtigkeit der Arbeitsabläufe.

A- Aufgaben sind die wichtigsten Aufgaben, sie können seltendelegiert werden

B – Aufgaben sind durchschnittlich wichtig und auch delegierbar

C – Aufgaben sind die,mit geringem Wert, Nebensächichkeiten, allerdings meist den größten Zeitaufwand

 

 

 

 

A L P E N

Aufgaben, Aktivitäten und Termine aufschreiben

            Bereits am Vortag

Längen einschätzen

            Grober Zeitaufwand großzügig einschätzen und Zeitlimit ansetzen.

Pufferzeit reservieren

           "Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!"

Entscheidungen über Prioritäten, Kürzungen und Delegationsmöglichkeiten treffen 

 

Nachkontrolle – Unerledigtes Übertragen

 

 

 

Folgende Liste kann eine Richtschnur für ihre Planung sein.

Eine Liste für effiziente Planungsarbeit

  1. Die Zeitplanung wird meist auf Monats,- Wochen,- Tages- und Stundenebene durchgeführt. Ausnahme bildet die Planung von bestimmten Lebens- oder Berufszielen , dann können und müssen wir auch versuchen, über Jahre hinaus zu planen

  2. Planen Sie einen überschaubaren Zeitabschnitt. Je weiter in der Zukunft geplant wird, desto unsichere ist zumeist die Erfüllung dieser Pläne.

  3. Planen Sie schriftlich! Nur was tatsächlich aufgeschrieben ist, ist überschaubar. Nur wenige Menschen können alles im Gedächtnis behalten. Außerdem motiviert das Aufgeschriebene, die Dinge auch durch zu führen

  4. Planen Sie am Ende des Tages z. B im Arbeitstagebuch, der Woche und des Monat jeweils für den folgenden Zeitabschnitt, z. B. die Aktionsplanung oder dem Aufgabenpool.

  5. Wählen Sie keinen zu kurzen Zeitabschnitt für Projekte. Die Planung dient ja der Übersicht, Zeiteinteilung und Arbeitsvorbereitung. Ein ungeplanter Arbeitstag ist ein verlorener Tag!

  6. Bestimmen Sie den Zeitbedarf für jede Arbeit. Nur Planung erlaubt auch Übersicht und Kontrolle. Bauen sie sich dabei Knautschzonen ein.

 

 

 

  1. Fassen Sie gleichwertige geistige Arbeit zusammen. Hatten Sie schon einmal die Gelegenheit sich von einer Aufgabe auf eine völlig andere einzustellen? Von einem technischen Problem auf ein soziales umsteigen, braucht eine gewissen Zeit und raubt Energie. Ich halte es z. B. für sehr sinnvoll Entwicklungsberichte nicht nebenbei in der KiTa, sondern an einem Tag zu Hause zu schreiben. Von Bericht zu Bericht fallen Formulierungen leichter und sie sind bei der Arbeit ungestört.

  2. Fassen Sie Arbeiten am gleichen Ort zusammen. Wegzeiten sind meistens Leerzeiten und können von der geplanten Arbeit ablenken. Machen sie sich z. B. eine Liste welche Materialien die für die Woche brauchen und sammeln sie alle auf einem Weg zusammen. So sind sie bereit auch spontan geplante Angebote zu machen, haben nur einmal den Gedankengang und den Weg.

  3. Vermeiden Sie Wartezeiten! Das halbe Leben besteht aus Warten. Sie können das warten nutzen um zu lesen oder auch einfach um Durchzuatmen. Doch machen sie das bewusst, ganz nach dem Motto: „Wenn ich stehe, dann stehe ich…“

  4. Legen Sie die Termine fest. Berücksichtigen Sie alle bisherigen Ausführungen. Tragen Sie in Ihrem Zeitplan zuerst Ihre festen Verpflichtungen, anschließend die wichtigen, aber zeitlich nicht gebundenen Tätigkeiten und schließlich die übrigen Aufgaben ein. Das kann durch A-B-C Listen oder die Trennung von „Wichtigem und Dringendem“ (Arbeitsblatt im Folgenden) erfolgen.

  5. Überprüfen Sie, ob Sie an alles gedacht haben.

  6. Stimmen Sie Ihren Zeitplan mit allen an Ihrem Aufgabengebiet Beteiligten ab. Wer braucht wann welche Medien? Wer belegt wann welche Räume usw.?

  7. Schaffen Sie Sprechzeiten. Viele Gespräche können dann besser kanalisiert werden. Das kann z. B. eine fester Termin in der Woche sein für die Eltern. Meiden sie Tür- und Angelgespräche!

  8. Schaffen Sie sich stille Stunden. Viele Menschen erledigen Ihre beste Arbeit vor dem eigentlichen Dienstanfang oder nach Dienstschluss. So planen sie zum Beispiel beim Spaziergang mit den Kindern den nächsten Geburtstag. Viele Tätigkeiten werden im Laufe des Tages durch andere Menschen oder Sachzwänge (!) unterbrochen. Durch Unterbrechungen wird die Leistungsfähigkeit immer wieder für die gerade zu bearbeitende Aufgabe herabgesetzt. Man braucht Zeit, um wieder in die Arbeit hinein zu kommen.

 

  1. Schaffen Sie sich stille Stunden während des Tages, in denen Sie ungestört wichtige A-Arbeiten erledigen können. Das bedeutet feste Vor- und Nachbereitungszeiten in denen sie nicht ansprechbar für Kinder, Eltern und Kolleginnen sind.

 

 

  1. Schaffen Sie sich solche Zeiten, in denen Sie für andere Zeit haben. Das heißt, wenn sie mit den Kindern zusammen sind, sind sie mit den Kindern zusammen! Wenn sie im Teamgespräch sind dann sind sie im Teamgespräch! Wenn sie im Elterngespräch sind dann sind sie im Elterngespräch!

  2. Schaffen Sie sich solche Zeiten, in denen Sie nicht erreicht werden können und dürfen. Richten Sie auch Ihren Terminplan danach aus, z. B. Entwicklungsberichte zu Hause, Vorbereitungszeit ohne Unterbrechung etc.

  3. Legen Sie Listen an! Das macht den Kopf frei!

  4. Gönnen Sie sich Pausen. Sie dienen der Erholung und geben Kraft. Viele Erzieherinnen nehmen sich nicht die Zeit und Ruhe für Pausen. Verlassen sie die Einrichtung. Gehen sie eine Runde um den Häuserblock! Atmen sie durch! Nur so haben sie wieder Kraft weiter zu arbeiten.

  5. Gönnen Sie sich jeden Tag etwas das Ihnen Freude macht. Erleben sie die Freude im Alltag wieder bewusst und schreiben sie die schönen Sequenzen in ihr Arbeitstagebuch!

  6. Überlegen Sie, wie Sie in der Einrichtung zeitraubende Aktivitäten vermeiden können. (Delegieren!). Geben sie Verantwortung an die Kinder (Partizipation) und die Eltern ab. Überlegen sie im Team, welche Kollegin welche Arbeiten besonders gerne macht und teilen sie die Arbeiten dementsprechend auf. Die unangenehmen Arbeiten werden gleichwertig verteilt.

  7. Denken Sie über Tätigkeiten nach die Sie verrichten. Jede Tätigkeit ist gewissermaßen manipuliert. Gerade Gewohnheiten hindern am Nachdenken und kreativen Schaffen.

  8. Hängen Sie diese Liste auf!

 

 

 

 

 

Verbindlichkeiten werden geschaffen indem Absprachen festgeschrieben werden. In dieser Liste tragen sie ein wer wofür zuständig ist. Zudem ist verpflichtet ein fester Termin zur pünktlichen Einhaltung.

Aufgabenpool/ Zuständigkeiten

Priorität

(A-B-C)

Aufgabe/ Aktion

Wer?

Spätester

Termin

erledigt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1Matthäus 22,34–40 , http://www.bibelcenter.de/bibel/studien/d-std098.php

2http://de.wikipedia.org/wiki/Gelassenheitsgebet

3 Informationen zur Studie und zum Downloaden als .pdf-Dateien unter:http://www.gew-bw.de/Arbeitsplatz_Erzieherinnen.html

4Weiß, Felicita: ZEN Gebote für moderne Frauen, O.W. Barth, ein Verlag der S. Fischer Verlags GmbH, Frankfurt am Main, S. 50

5Aus dem Zen-Buddhismus, Reifarth, W. Und Scherpner, M. Der Elefant; Eigenverlag des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge, Frankfurt am Main

6Mehr dazu finden sie bei Pommerenke,Ulrich; Ich kann`s – ich mach´s ! Persönlichkeitsentwicklung im Erzieherinnenberuf; Cornelsen Verlag 2007 Seite 79 ff

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Spiel ist von entscheidender Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung

Das Spiel ist gewissermaßen der Hauptberuf eines jeden Kindes, das dabei ist, die Welt um sich herum, sich selbst, Geschehnisse und Situationen, Beobachtungen und Erlebnisse im wahrsten Sinn des Wortes zu begreifen. Es hat eine hohe entwicklungspsychologische Bedeutung.

In der UN-Charta „Rechte des Kindes“ ist es in Artikel 31 Absatz 1 fest verankert.

Kinder bauen in bindungsstarken Spielsituationen alle Fähigkeiten für ihr Leben auf, die sie später einmal für eine aktive und selbstbewusste Lebensgestaltung brauchen.

  • Das Spiel ist von entscheidender Bedeutung für die gesamte Persönlichkeitsentwicklung.

  • Es ist Vorstufe, Grundlage und Nährboden für den Erwerb schulischer, beruflicher und lebenspraktischer Fähigkeiten.

Was ist Spiel?

"Das Spiel der Kinder ist eine selbstbestimmte Tätigkeit, in der sie ihre Lebenswirklichkeit konstruieren und rekonstruieren… sie verhalten sich, als ob das Spiel Wirklichkeit wäre. Kinder konstruieren spielend soziale Beziehungen und schaffen sich die passenden Bedingungen. Kinder verbinden immer einen Sinn mit dem Spiel und seinen Inhalten. Sie gebrauchen ihre Fantasie, um die Welt im Spiel ihren eigenen Vorstellungen entsprechend umzugestalten. Für die Spielenden ist allein die Handlung, in der sie ihre Spielabsichten und Ziele verwirklichen, wesentlich und nicht ihr Ergebnis. Gerade darin liegen die bildenden Elemente des Spiels. Das Spiel ist in besonders ausgeprägter Weise ein selbstbestimmtes Lernen mit allen Sinnen, mit starker emotionaler Beteiligung, mit geistigem und körperlichem Krafteinsatz. Es ist ein ganzheitliches Lernen, weil es die ganze Persönlichkeit fordert und fördert…" 1

Spielen will gelernt sein

Kinder bringen genetisch bedingt ein angeborenes Interesse und Neugierde für ihre Umwelt mit. Durch die alltäglichen Sinnesreize wird das Interesse aktiviert. Aus dem Interesse wird die Beobachtung und danach die Aktion oder Spielhandlung.

Die meisten Babys spielen von Anfang an intensiv. Sie beobachten, erkunden ihre Füße, Hände, das Mobile und was um sie herum geschieht. Wenn sich die Bewegungsfähigkeit und damit der Radius vergrößert, erweitert sich auch die Erfahrungswelt. Dabei eignet es sich nebenbei ein lebendiges räumliches, physikalisches und mathematisches Wissen an.

Andere sind weniger ausdauernd. Je eher die Kinder in Ruhe gelassen werden umso eher lernen sie sich zu konzentrieren und intensiv zu beschäftigen.

Dort, wo Kinder ins Staunen kommen,

dort, wo sie sich mit wahrgenommenen Reizen

frei und unbewertet auseinandersetzen,

können Kinder ins Spiel kommen.“2

 

Eckpfeiler im „Lernen des Spiels sind“:

  • Kinder lernen durch Vorbild, d.h. Erwachsene spielen mit den Kindern, sind aktive Spielpartner, motivieren so die Kinder und wecken ihre Neugier.

  • Der Spaß aller beteiligten steht im Vordergrund.

  • Erwachsene können sich langsam aus dem gemeinsamem Spiel zurückziehen wenn die Kinder ins Spiel gefunden haben.

  • Weniger ist mehr. Spielzeug gezielt auswählen, wechseln. Zu viel Spielzeug hemmt das Spielverhalten.

  • Langeweile aushalten lassen. Kinder sollten eine Phase von Langweile aus eigener Kraft überwinden können. Das macht sie zufrieden.

  • Spielzeug so auswählen, dass es variable und vielseitige Spielmöglichkeiten bietet. Alltagsmaterialien wie altes Kochgeschirr, Kartons, Holzreste, Stoffe, Papprollen, Verkleidungen etc. sind unterschiedlich nutzbar.

  • Kinder brauchen gleichaltrige/ gleichgesinnte Spielpartner.

  • Kinder brauchen Zeit und Ruhe zum Spielen.

  • Wechsel der Spielformen ermöglichen: Vom ruhigen Spiel zum aktiven oder bewegungsstarken Spiel wechseln.

  • Bewegungsspiele einbauen.

 

Spielen bedeutet Entwicklung und Lernen

  • Beim Spiel konzentrieren sich die Kinder. Sie befassen sich mit Materialien und/ oder Abläufen (durch gedankliche Selbstgespräche und innere Bilder) und setzen sich damit auseinander. Dies sind Grundlagen zur kognitiven Entwicklung.

  • Sie setzen sich im Spiel aktiv mit der Welt auseinander.

  • Sie erfahren Glücksmomente oder üben sich in Frustration. Sie halten durch oder geben auf und lernen so persönliche Grundgefühle kennen.

  • Sie drücken ihre eigene Gefühlswelt aktiv aus und mit und entfalten so ihre Talente.

  • Bestimmte Fertigkeiten werden gebahnt z. B. Ausdauer, Konzentration, Anstrengungsbereitschaft, Lösungsorientierung etc.

  • Spielkompetente Kinder haben ein besseres vernetztes und kausales Denken.

  • Sie sprechen differenzierter und haben einen umfassenden Wortschatz.

  • Sie üben sich in Fein- und Grobmotorik, sind aktiver und haben eine raschere Reaktionsfähigkeit und bewusstere Kontrolle über ihre Handlungsabläufe.

  • Sie lernen Regeln kennen und sich daran zu halten.

  • Sie üben das Miteinander, den Umgang mit anderen, sich durchzusetzen oder zurück zu nehmen.

  • Sie sprechen miteinander, drücken sich aus, teilen sich mit und hören zu.

  • Sie nehmen andere Kinder wahr, lernen sie und ihre Handlungsweisen einzuschätzen und damit umzugehen.

  • Sie bauen Beziehungen auf, festigen sie und lernen Freundschaften kennen.

  • Sie streiten und vertragen sich.

  • Sie nehmen Abschied.

 

Kinder lernen durch:

Wiederholungen

Spaß

Beziehungen

Empathie

 

 

1Margarete Blank-Mathieu im Online-Handbuch – Kindergartenpädagogik-

http://www.kindergartenpaedagogik.de/1610.html

2Bendt, Ute/ Erler, Claudia: Spielbudenzauber – Sinnvolle Raumgestaltung in Kita und Krippe; Verlag an der Ruhr, Mühlheim an der Ruhr 2010 Seite 89

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Wussten sie schon – dass Musik…

Wussten sie schon, dass Musik das Angstzentrum im Gehirn ausschaltet und den Bereich für Belohnung und Bestätigung einschaltet? Das hat die Hirnforschung herausgefunden und Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, Hirnforscher aus Ulm, veröffentlicht. Sein Vortrag "Lernen in Kindergarten und Schule" ist auf DVD erhältlich und seine Ausführungen sind sehr leicht verständlich.

Also: Lassen uns viel Singen, vor Allem auch mit den Kindern!

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Leseprobe Handbuch: Veränderte Kindheit

Derzeit schreibe ich an meinem ersten Buch zur Arbeit in Kindertagesstätten. Hier eine Lesepobe:

 

Veränderte Kindheit

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen der Kindheit vor 30 oder 40 Jahren und heute? Ich möchte das an dieser Stelle nicht tief greifend behandeln, das haben andere besser und wissenschaftlicher gemacht. Mein Blick gilt dem Alltäglichen das wir in den Kindertagesstätten feststellen.

Die erste Auffälligkeit ist: Es gibt immer weniger Kinder! Kinder sind in der Minderheit, sie werden nicht mehr als Selbstverständlichkeit hingenommen und immer mehr zu Aussenseitern in unserer Gesellschaft.

Früher nahmen die Kinder ganz selbstverständlich an der Welt der Erwachsenen teil. Sie waren einfach da. Heute sind sie in altershomogenen Gruppen in für sie gemachte „Sonderwelten“ untergebracht, und damit institutionalisiert. Ein Ziel in der Erziehungsarbeit in Kindertagesstätten und Schulen ist das „Kennenlernen der Erwachsenenwelt“.

Die Erwachsenenwelt wird nicht von den Kindern selbstständig erfahren, sondern von den Erwachsenen organisiert. Sie bestimmen was die Kinder erleben und lernen sollen. Sie fahren die Kinder von einer künstlichen Erlebniswelt in die andere. Alles Lernen und Bilden ist pädagogisch besetzt. Die Kinder sind ständig beobachtet, haben kaum noch Frei- und Forschungsräume um ihre Erfahrungen selbst machen zu können. So schränkt sich der autonome Gestaltungsraum der Kinder – nicht nur durch die veränderten Lebensraum in den Städten – immer mehr ein.

Kindheit wird zu einem großen“All-inclusiv-Hotel“, das jedes eigenen Denken und Handeln verhindert.

 

Während die Großeltern unserer Kinder (und teilweise wir selbst) ihre Umwelt Schritt für Schritt, je älter sie wurden in einem immer größer werdenden Radius,selbst erforschten, haben Kinder heute kaum noch Gelegenheit zum unbeobachteten Spiel. Damals wurde die Welt ganz nebenbei erlebt und erfahren: Vogelstimmen zugeordnet, jahreszeitliche Veränderungen erfahren, Tätigkeiten im Haushalt gelernt, Verantwortung übernommen, geklettert, in Bäche gefallen und den eigenen Eltern und denen der Freunde bei ihrer Arbeit zu geschaut und, und, und…. Wer lässt heute noch sein 5 jähriges Kind alleine auf dem nahe gelegenen Feld, in den Wald gegenüber oder auf den Spielplatz im nächsten Block?

 

Kinder lernten früher durch das eigene Erleben, Erfahren . Sie lernen durch aktives Handeln. Auch der soziale Umgang miteinander wurde ganz selbstverständlich durch das gemeinsame Spielen, Streiten und sich Vertragen mit den Nachbarskindern geübt. Die Kinder redeten miteinander und hatten so eine natürliche Spracherziehung.

 

Kinder lernen ganzheitlich, d.h. mit allen Sinnen erfahren und begreifen sie ihre Welt. Heute jedoch kommt die Bildung aus der Konserve. Vorgefertigtes Spielzeug anstatt Sachen zum Spielen, konstruieren und Forschen; ferngesteuerte Autos und Puppen, Rollenspiele als Erfahrungsverarbeitung von Fernsehsendungen und Memory aus dem Computer. Eine Blume oder ein Bach die im Bilderbuch oder Fernsehen angesehen werden kann ein Kind nicht riechen und fühlen.

 

Eine gravierende Veränderung der Kindheit begründet sich auch im Wandel der Erziehungsstile. Die traditionelle Familie, war bis vor einigen Jahrzehnten von Machtstrukturen nach dem Motto der Vater hat das Sagen, dann kommt die Mutter und die Kinder stehen am Ende der Hierarchie – geprägt.

 

Die Erziehung zu Gehorsam, Ordnung, Pflichtgefühl und Patriotismus standen im Mittelpunkt. Diese Ziele und Stile haben – Gott sei Dank – ausgedient. Sie können so nicht mehr als Vorbild und Maßstäbe heutiger Erziehung dienen. Wir sind auf der suche nach neuen, konstruktiven Formen des Zusammenlebens.

Im Umgang mit Kindern greifen Eltern (und auch Erzieherinnen) auf eigenen Erfahrungen als Kind mit den Eltern und anderen Erwachsenen zurück. Das geschieht manchmal ganz bewusst, „So möchte ich das nie machen!“, aber meistens passiert es ganz unbewusst.

Die klassische Familie gibt es nicht mehr! Der altbekannte Erziehungsstil wie oben genannt auch nicht! Was kommt jetzt?

 

Eltern sind verunsichert und auf der Suche nach neuen, konstruktiven Formen des Zusammenlebens.In den letzten Jahren schnellen die Verkaufszahlen von Erziehungsratgebern in die Höhe. „In den letzten fünfzehn Jahren wurde die Erziehungsdebatte dermaßen vom „Setzen von Grenzen“ dominiert, dass man den Eindruck gewinnen könnte, dies sei der Dreh- und Angelpunkt im Verhältnis zwischen Eltern und Kindern.“1

Klarheit und Eindeutigkeit werden meist mit Härte und Autorität verwechselt. Elterntrauen ihren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen nicht mehr. Wenn ich weiß was ich will, wenn ich mein Kind liebe und ihm genauso wie mir selbst gut tun möchte, hat Unsicherheit keine Chance.

Doch das scheint Eltern abhanden gekommen zu sein und diese Klarheit fordern sie nun von Kindertagesstätten.

 

 

1Jesper Juul: Nein aus Liebe; Klare Eltern – Starke Kinder

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Leseprobe Handbuch Kindertagesstätten: So werden wir allen Altersgruppen gerecht!

Derzeit schreibe ich an meinem ersten Buch zur Arbeit in Kindertagesstätten.

Hier eine Leseprobe der Einleitung:

" ……Ein Thema das derzeit in fast überall, mit der vermehrten Aufnahme von unter dreijährigen Kindern, im Mittelpunkt steht ist es, den unterschiedlichen Alters-gruppen gerecht zu werden und adäquat zu fördern. Das dafür speziell ausge-arbeiteten Seminar Kleine und Große unter einem Dach – Wie werde ich den unterschiedlichen Altersgruppen gerecht? – leite ich meistens mit dem Satz ein: “Diese Fortbildung ist eigentlich schnell durchgeführt, denn die Antwort auf die Frage lautet: Es geht nicht!“

Die Reaktionen der Teilnehmerinnen sind unterschiedlich. Manche bekommen direkt eine Wut, was sie denn dann hier sollen und die Fortbildung ist doch wohl eine Mogelpackung, anderen fällt ein Stein der Erleichterung vom Herzen ganz nach den Motto: „Endlich jemand der uns frei spricht und uns entlastet.“

Beide Seiten kommen in der Fortbildung und hoffentlich auch an dieser Stelle, zu ihrem Recht.

So lange in den Kindertagesstätten im Land der Dichter und Denker immer noch die Finanzen vor der Bildungsarbeit und die Quantität vor der Qualität stehen, (das heißt, es an einem bildungs- und kindgerechten Personalschlüssel mit gut ausge-bildetem Personal, Strukturen und Rahmenbedingungen die z.B. Vorbereitungszeit und Zeit für Elterngespräche, ausreichende Räumlichkeiten in denen Rückzug, Entspannung, Konzentration und Bewegung möglich sind, erschwinglichen praktische und theoretische Fortbildungsangeboten fehlt) ist eine ausreichende Förderung von Kindern in unterschiedlichen Altersgruppen nicht möglich.

Wenn wir allerdings in den Einrichtungen lernen die Kinder und Eltern als gleichbe-rechtigte Partner mit einzubeziehen, Verantwortung zu teilen und Prioritäten zu setzen, dann kann es gelingen. Vieles kommt auf die Einstellung jedes Einzelnen und die des Teams an.

 

Ich möchte gemeinsam mit Ihnen über den Tellerrand sehen, neue Ideen entwickeln und auch mal so genannte „heilige Kühe schlachten“. Ich möchte Mut machen, nicht immer mit der Herde zu rennen, sondern Anderes aus zu probieren. Was in der einen Einrichtung mit dem einen Team nicht gelingt, kann für das andere Team genau die richtige Methode sein. Auch wenn sich manches in der Praxis vielleicht nicht bewährt, so haben wir dann doch erfahren, welchen Weg wir nicht einschlagen möchten. Das Leben ist nicht gleichförmig, es bewegt sich, geht auf und ab und entwickelt sich weiter. Dazu muss Neues jedoch erst mal gewagt werden.

Innovationen sollten allerdings meines Erachtens nicht von außen oder „oben“ über gestülpt werden, sondern aus den Einrichtungen – zu denen die Kinder, die Eltern, das Team und der Träger gehören – erwachsen.

Dieses Buch ist gerade aus dieser Motivation heraus entstanden. Es enthält eine kleine Sammlung praktischer Ideen (nicht nur aus meinen Gedanken ent- sprungen), die ich selbst in der Praxis erprobt habe bzw. deren Umsetzung in anderen Einrichtungen bereits erfolgreich ausprobiert wurden. Ich habe dabei das Rad nicht neu erfunden sondern oftmals auf Altes zurück gegriffen, das manchmal bereits wieder in Vergessenheit geraten ist. In manchen Kapiteln lade ich Sie dazu ein, wieder zurück an die Wurzeln der Arbeit in Kindertagesstätten zu gehen , wie z. B. die Bedeutung des Spiels wieder zu erkennen. Diese unterschiedlichen Methoden können meines Erachtens Schlüssel zu einer erfolgreichen Förderung von Kindern unterschiedlicher Altersgruppen sein und mehr Zufriedenheit von Erzieherinnen im Beruf ermöglichen.

 

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